Schuldig – Kanae Minato

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Autor: Kanae Minato
Titel: Schuldig
Originaltitel: engl. Reverse; jap. リバース [ribāsu]
Seiten: 320 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 22. April 2019
Preis: 18,00 €
ISBN-10: 3570103676
ISBN-13: 978-3570103678

Inhalt [amazon.de]:

Vier Freunde, ein tragisches Unglück und die Frage nach der Schuld

Fünf Studenten aus Tokio wollen in einem abgelegenen Dorf zusammen ein paar Ferientage verbringen. Einer von ihnen, Hirosawa, kommt bei einem Autounfall auf einer kurvenreichen Bergstraße ums Leben. Drei Jahre später holt das schreckliche Ereignis die ehemaligen Studienkollegen ein. Sie erhalten anonyme Briefe, in denen sie des Mordes an ihrem Freund beschuldigt werden.

Meine Meinung:
Nachdem ich vor nicht allzu langer Zeit das Buch „Geständnisse“ von Kanae Minato gelesen hatte und unglaublich begeistert war, stand für mich von vornherein fest, dass ich auch ihr neues Buch „Schuldig“ lesen möchte. Zum Glück musste ich auf die Veröffentlichung nicht lange warten und konnte direkt mit dem Lesen beginnen.

Leider tat ich mich mit dem Anfang dieses Mal deutlich schwieriger als zuvor bei „Geständnisse“ und war dadurch zunächst etwas enttäuscht. Ebenso wie bei der Musik, gibt es auch in der Buchbranche „One-Hit-Wonder“ und ich hatte schon die Befürchtung, dass es sich hierbei um eines handeln würde. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verflog der erste Eindruck allerdings und ich kam schnell wieder in den Genuss des Schreibstils der Autorin, der mir so gut gefiel.

Zunächst geht man wirklich eine längere Zeit von einem Unfall aus und ich habe mich stellenweise gefragt, ob überhaupt noch etwas in die Richtung Spannung passiert, so wie man es von der Autorin kennt oder es sich lediglich um eine Art Erzählung handelt. Doch dann gerät die Sache ins Rollen, als Fukase und seine damaligen Studienfreunde Drohnachrichten bekommen und immer mehr Fragen und Ungereimtheiten in den Raum gestellt werden. Fukase erklärt sich bereit dem Ganzen auf den Grund zu gehen, denn er merkt zusehends, dass er gar nicht so viel über seinen Kumpel Hirosawa weiß.

Der Hauptprotagonist Fukase war mir leider die meiste Zeit sehr unsympathisch und ich konnte keine Bindung zu ihm aufbauen. Er wirkte auf mich wie eine sehr wehleidige, jammernde Person und das hat mich manchmal wirklich genervt, weil es eben nicht immer nur um ihn ging. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich tatsächlich nicht gern mit ihm befreundet gewesen. Aber auch diese Gefühle muss man bei einem Leser wecken können und das hat mir durchaus gefallen.

Die Geschichte hat nur ganz wenige Kapitel und irgendwie empfand ich dies als ungewöhnlich, da ich es gewohnt bin, am Ende eines Kapitels zu unterbrechen und nicht mitten auf einer Seite. Allerdings habe ich mich hier dann so gut es ging einfach an die Abschnitte innerhalb eines Kapitels gehalten und dort dann pausiert, wenn ich ins Bett musste oder anderweitig beschäftigt war. Ja, dieses Buch habe ich nicht in einem Rutsch durchgelesen, denn leider gab es teilweise Szenen, die mich nicht fesseln konnten. Die Spannung blieb hier des Öfteren leider aus.

Auch wenn das Buch etwas anders war als „Geständnisse“ und nicht durchgehend halten konnte, was es versprach, hatte ich bis zuletzt Hoffnung, dass die Autorin wieder ein für sie typisches Ende für einen parat hält. Was das angeht, wird man nicht enttäuscht und das ist auch ein großer Pluspunkt für „Schuldig“, welches ich im Endeffekt doch sehr gern gelesen habe.

Hinten im Buch befinden sich kleine Anmerkungen der Übersetzerin, in denen japanische Begriffe erklärt werden, die an einigen Stellen im Buch vorkommen. Da mir die japanische Kultur nicht fremd ist, war für mich nicht viel Neues dabei, dennoch finde ich solche kleinen Gadgets ganz nett, da man sich so das googlen spart und nicht vom Smartphone abgelenkt wird. Eine klare Win-Situation.

Fazit: Eine interessant verpackte Geschichte zum Thema Schuld und Reue.

Buchpunkte:
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Mach mal halblang – Matt Haig

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Autor: Matt Haig
Titel: Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten
Originaltitel: Notes on a Nervous Planet
Seiten: 320 Seiten
Verlag: dtv
Erschienen: 22. März 2019
Preis: 14,90 €
ISBN-10: 3423262281
ISBN-13: 978-3423262286

Inhalt [amazon.de]:

Sind Sie schon durchgedreht oder arbeiten Sie noch daran?

Wir leben in einem Zeitalter der Ängste und der überdrehten Schnelligkeit. Man könnte meinen, unsere gesamte Lebensweise wäre darauf ausgerichtet, uns ins Unglück zu stürzen. Der Life-Overload hat uns fest im Griff. Aber: Können wir etwas dagegen tun? Matt Haig beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie die lärmende Außenwelt unser Denken beherrscht und wie wir uns zur Wehr setzen können. Es geht um große und kleine Dinge, um Weltpolitik, Gesundheit, Smartphones, Social Media, Sucht, Vernetzung. Ein Buch, das uns alle angeht und das uns unserer eigentlichen Aufgabe wieder ein wenig näherbringt: dem Menschsein.

Meine Meinung:
Nachdem ich bereits vor einiger Zeit begeistert das Buch „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig gelesen habe, war für mich direkt klar, dass ich auch sein neues Werk „Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten“ lesen werde. Das Buch erschien einen Tag vor meinem Geburtstag und bereits die ersten Seiten hatten mich in seinen Bann gezogen. Teilweise fühlte es sich an, als schreibe er mir aus der Seele. Ich fühlte mich von Anfang an oft vom Autor verstanden und seelisch in den Arm genommen. Danke dafür.

Der Autor selbst erlitt in seinem jungen Erwachsenenleben einen depressiven Zusammenbruch. Diesen reflektiert er in dem bereits angesprochenen Buch „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ und gibt schon dort Anregungen für das Leben mit. In „Mach mal halblang“, geht es nicht mehr nur um ihn, sondern um den ganzen Planeten, wie der Titel schon vermuten lässt. Dies hat mir sehr gefallen. Meiner Meinung nach, muss man das andere Buch auch nicht zwingend gelesen haben, um dieses hier genießen zu können. Lediglich der Autor selbst ist einem dann natürlich schon bekannt und man weiß ungefähr was einen erwartet.

Das Buch ist in verschiedene Themen eingeteilt, in denen jeweils sehr kurze und knappe Abschnitte vorkommen. Teilweise wirken einige Passagen wie Gedichte, ohne wirklich Gedichte zu sein. Ich habe das komplette Buch mit lauter Post-It’s vollgeklebt wie ihr auf dem Foto erkennen könnt. So viele Sätze und ganze Abschnitte sind mir so wichtig gewesen, dass sie sich regelrecht eingebrannt haben und ich möchte jede einzelne Zeile immer und immer wiederfinden können, die mir im Augenblick des Lesens so viel geben konnte. Selbst währenddessen habe ich oft wieder auf vorherige Markierungen zurückgeblättert und sie mir erneut durchgelesen und versucht diese zu verinnerlichen.

Es werden in diesem Meisterwerk so unglaublich viele Themengebiete der heutigen Zeit angesprochen und reflektiert, die leider immer wieder in den Hintergrund treten. Oft konnte ich mich und mein Umfeld in Matt Haigs Zeilen wiederfinden. Ich selbst habe schon vor dem Buch mit vielen Dingen zu kämpfen gehabt. Sich diese Probleme erneut bewusst zu machen tat gut. Ich habe mich verstanden gefühlt und konnte Lösungen erarbeiten, die mir sicher in Zukunft ein bisschen helfen werden. Ich konnte für mich persönlich wirklich sehr viel übertragen und in den Alltag integrieren. Und ist das nicht etwas total Großartiges, was Bücher mit einem anstellen können? Ich bin absolut begeistert und versuche gerade jedem dieses Werk zu empfehlen. Und doch werden all meine Worte und auch diese Rezension dem Buch nicht annähernd gerecht.

Seid mal ehrlich zu euch selbst. Kennt ihr dieses Gefühl nicht auch, ständig eine regelrechte „Angst“ davor zu haben, etwas zu verpassen, etwas nicht erlebt zu haben? Und sei es nur so etwas banales, wie eine neue Staffel einer eurer Lieblingsserien. Denn es gibt nicht nur die eine Serie, die euch reizt. Es sind inzwischen Dutzende. Sich bewusst Zeit zu nehmen und sich komplett auf das Jetzt zu konzentrieren findet kaum noch statt. Es gibt von allem ein solches Übermaß an Angeboten, welche wir am besten alle gleichzeitig konsumieren wollen, um auch ja nichts zu versäumen und mitsprechen zu können, dass wir manchmal gar nicht mehr in der Lage sind, innezuhalten und bewusst zu genießen. In Gedanken sind wir im gleichen Moment schon bei der nächste Serie, dem nächsten Buch, welches wir unbedingt auch noch inhalieren möchten.

Also bei mir artet das teilweise wirklich in Stress aus und es fühlt sich oft an wie ein abarbeiten, dabei sollte sowas wie Serien gucken doch eigentlich Entspannung bedeuten und nicht in Arbeit ausarten – oder?  Von dem Thema Smartphone-Sucht (denn nichts anderes ist es für mich, wenn man dauernd das Ding vor der Nase hat) und die daraus automatisch resultierende andauernde Erreichbarkeit möchte ich gar nicht erst anfangen. Und dies sind nur zwei der vielen interessanten Themen, wo das Buch ansetzt und ausführt.

Und auch wenn es jetzt im ersten Moment vielleicht so wirkt, als würde Matt Haig nur gegen die aktuelle Situation und den Fortschritt der Menschheit wettern, ist dem absolut nicht so. Denn es gibt auch bejahende Abschnitte und die positiven Seiten werden einem auch nochmal deutlich und verständlich vor Augen geführt. Er findet in meinen Augen also eine sehr gute Balance zwischen dem negativen und dem positiven Wandel der Zeit.

Ich hoffe so sehr, dass die Verkaufszahlen für dieses Buch gut sind, denn das würde für mich bedeuten, dass viele Menschen in Besitz dieses Buches sind. Ob sie es dann letztendlich lesen oder es ewig auf dem ungelesen Stapel ihrer Bücher liegt, kann man natürlich nicht wissen, allerdings hätten sie stets die Möglichkeit es für sich zu entdecken und etwas daraus für sich und ihr weiteres Leben mitzunehmen. Das ist ein Gedanke der mir gefällt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese Rezension überhaupt bis zum Ende liest ist sehr gering. Denn ich kenne das selbst nur zu gut. Es wird, wenn überhaupt überflogen, denn im nächsten Tab im Browser wartet schon die nächste Information, die man auf keinen Fall verpassen will.

Fazit: Dieses Buch ist ein Apell an die Menschlichkeit und das Sein. Für mich ist es zudem ein Begleiter für das moderne Leben, welches wir heute führen. Die markierten Stellen werde ich nicht zum letzten Mal gelesen haben!

Buchpunkte:
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